Beiträge von Lennart

HU setzt Anwesenheitslisten aus

Brandaktuell: Der Akademische Senat hat Entschieden

Wie im Tagesspiegel (9.12.) und in dem taz-online Artikel zu lesen ist, wird an der Humboldt Universität bis zum Ende des Wintersemesters keine Anwesenheit mehr kontrolliert!

Teilnehmerlisten: Das muss man „mal gehört“ haben!

Die Streitfragen der letzen Woche bezogen die Auseinandersetzung mit der Rektorin ein. Wie mit ihr umzugehen sei; müsse man sich respektvoll devot von unten herantasten oder könne man darauf pochen, selbstbewusst auch mal Kontrollverluste verkraften!

Der Transparenz der Basis-Demokratie ist es zu verdanken, dass sich in einigen Plenaren durch viele Redebeiträge auf eine AG zu verständigen war. Die `AG Moderation´ verständigte sich binnen eines Nachmittags darauf einen Fishbowl übersichtlich zu veranstalten (Zuschauer außen herum, ein Innenkreis in dem die Redner Platz nehmen konnten). In diesem Rahmen wurden verschiedene Punkte dem zur Diskussion stehenden Forderungskatalog, als auch die derzeitige Situation besprochen.

Als ein „störendes politisches Zeichen“ wird seitens der Leitung die Besetzung gewertet, die somit zum Nachdenken anregt. Die „Frage der Intention“ wird auf diversen Ebenen derzeit bearbeitet und kann nicht mit einem Satz zufrieden stellend beantwortet werden, wie sich so mancher Hochschulpolitiker oder -verantwortliche dieser Tage vielleicht wünscht!
Auf dem Prüfstand steht die Reform der Lehre, zu der Seitens der Rektorin (wie zu lesen ist) nur auf die Gremien verwiesen wird und man sich so nicht zusammen im FREI-RAUM auseinandersetzen kann.

Die Teilnehmerlisten seien eine „Teilnahmeverpflichtung“ die in der Umstellung der Prüfungsgestaltung zu den alten Diplom-Studiengängen, die mit der Unterschrift zum Ausbildungsvertrag anerkannt werden, „keiner ist gezwungen hier zu studieren“, so die Rektorin.

Um es „mal gehört“ zu haben: Leiste einen Teil des erforderlichen zu überprüfenden „Workload“, um nicht noch mehr Prüfungen abfordern zu müssen.

Auf Seiten einiger studierender wird dies als „Zertifikat zum Vertrichtern“ empfunden, welches mit „Bulimie-Lernen“ in Bildlicher Sprache unschwer zu verstehen ist.

Derzeit läuft eine „Revision um Prüfungsbelastungen herauszunehmen“, zudem sind sich die Beteiligten einig, dass Verbesserungen möglich sind, es geht darum Alternativen zu entwickeln wie z.B. die Credit Points einfach den Prüfungen zugeschlagen werden können. Zu der Problematik der Seminareinschreibungen wurde betont, „derzeitige Aushandlungen wurden von Studierenden“ ins Leben gerufen. Das Angebot der Nachfrage unterzuordnen, sei „möglich“.

Die Forderung Hochschulkooperationen bürokratisch möglich zu machen, finden durch die Entfernung möglicher Partner in den „periphären Gebieten“ der Stadt keine Anreize, welche zu schaffen. „Laufkundschaft“, so die Rektorin, bringe nicht die nötige Planungssicherheit!
Umstritten wurde der Vorschlag von sogenannten „Social Creditpoints“, die darauf abzielen, die häufig im Sozialen Bereich erarbeitete geldwerte Lebensgrundlage mit Leistungen im Creditpoint-System zu verbinden. Mit einer nicht möglichen „Formalisierung von Sozialer Arbeit“ wurde entgegnet, für was die Credits stehen sollen, das Verfahren sei zudem Komplex!

In der Abschließende Frage, warum das höchste Maß an Anspruch im Sinne der Bildung/ der Lehre nicht von der Hochschule angeleitet wird, sind die Dozierenden in „eigener Person“ gefragt, da die Hochschulleitung da nicht durchgreift! Nochmals wurde angemahnt, die eigene Bewegung besser zu strukturieren und so wird ein Signal den „Raum wieder freizugeben“, seitens der Hochschulleitung erwartet.

Die Alternativen Lehrveranstaltungen sind gottlob, wie überhaupt das Organ des FREI-RAUM, eine willkommene kritische Abwechslung des „Prozess von Kopf einschalten“ zum verkrusteten Hochschulalltag in dem der „Schock der Verschulung“, wie ein Mitstudierender treffend formulierte, sich weiter entspannen darf.

Das europäische Vernetzungstreffen das dieser Tage in München tagte ist auch nur die natürliche Erweiterung der Bewegung, die wie ein rollender Schneeball langsam zur Lawine wird!

„… sich nicht dermaßen regieren lassen.“ Macht, Wissen und Gouvernementalität in den Arbeiten von Michel Foucault.

Freitag 13:30 H109 Veranstaltung Ralf Quindel zu Thema:

„… sich nicht dermaßen regieren lassen.“

Macht, Wissen und Gouvernementalität in den Arbeiten von Michel Foucault. Situation an den Hochschulen aus der Perspektive von Michel Foucault zu diskutieren.

7 Seiten sind dazu bitte vorzulesen, die unter dem link: http://www.khsb.de/PDFs/quindel.pdf eigen zu machen wären.

Kleine Chronik: Der Weg zur Besetzung des Hörsaals H109 der KHSB am 19.11.2009

Kleine Chronik: Der Weg zur Besetzung des Hörsaals H109 der KHSB am 19.11.2009

Am Donnerstag kam es um 13.30 Uhr im Kontext des Bildungsstreiks zu der ersten Vollversammlung und anschließender Besetzung des Hörsaals H109 an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin.

Dazu gekommen war es infolge einer Reihe von Ereignissen.
Infolge der Besetzungen in Wien und schließlich auch in Potsdam, kam es am Mittwoch (11.11.) im hiesigen Cafe K durch Initiative der an der Bildungsoffensive beteiligten Studenten, zum ersten großen Treffen der Bildungsoffensive dieser Saison.

Eingeladen war Daria von der HU, welche am gleichen Abend mit ihren Mitstudenten das Audimax in Berlin Mitte besetzte. In Ihrer engagierten Ansprache wurde die besondere Dynamik deutlich, an der sich mittlerweile hunderte von Hochschulen im In- und Ausland in Form von Besetzungen, im Sinne von raum- und substanzschaffendem Protest angeschlossen haben.

Möglich ist, dass dies ein historischer weil länderübergreifender Moment ist. Als solches verbindet sich ein Netzwerk, welchess an der Frage einer gerechten Bildungsgesellschaft arbeitet und in der informiert, Stellung bezogen, eingetreten und mitgearbeitet wird.

In Zuge dieses Dominoeffekts, werden, nach wie vor dem Bildungsstreik im Juni, an den Hochschulen spezifisch als auch grundlegend im Bachelor/Master-System die Missstände aufgedeckt, die verändert werden wollen! Die grundlegende Frage: Wie wollen wir lernen? Aber auch das Bedürfnis nach Raum für eigene Meinungen (und auch Integration von Gelerntem über Einzelgebiete hinweg) haben zu wollen, wird hier laut.

Bildung soll nicht blockiert, sondern symbolisch bestreikt werden, um die Freiheit zu reflektieren!

Die darauf gegründete `AG DemoMobilsierung´ zog am darauf folgenden Montag mit einem kleinen Theaterstück durch die Seminare und warb für die Beteiligung am Bildungsstreik. Zudem wurde das Cafe K als Basis zum Fertigen von Transparente und T-Shirts genutzt, wie auch als spontaner Info-Point.

Zudem beraumte die `AG Vollversammlung´, die im Zuge der knappen Zeit eine genehmigte `VV´ für den 19.11. samt diverser Redner an.
Die Bilder der Demonstration und das stete weitere Anknüpfen durch die `VV´ brachten den Hörsaal zum Überlaufen. Ca. 200 Mitstudenten rutschten Pobacke an Pobacke zusammen, um sich zu informieren und/oder sich einzubringen.

Zu der Frage einer gerechten Bildungsgesellschaft gab es differenzierte Beiträge zu den streitbaren Anforderungen des Bologna-Prozesses.

In den vorgebrachten Argumentationen zielten Rechte, die Pflichten mit sich bringen, in die Köpfe der Studierenden:
„Sich zum Recht der Bildung zu bekennen bedeutet ebenso auch die Pflicht Zeit zu investieren als auch eigenes Geld und Initiative!“ Aus dem Bologna-Reader war vom „Geist der Bildung“ zu hören und von „Bildung für Erkenntnis“, welche mit den Schlagwörtern „Wirtschaftsraum“, „Rekrutierungsverfahren“ sowie „Effizienz“ zu verstehen sind.

So lag in der Luft, dass es an diesem Nachmittag einen Streik geben würde, „wenn wir nichts erreichen wollen würden, dann wären wir jetzt nicht hier in dieser Vollversammlung“ war zu hören. So war auch im Zuge des mehrheitlich angenommenen Antrags der Besetzung wichtig, dass nicht „die Hochschule komplett lahm gelegt würde, die Seminare laufen weiter und man kann daran teilnehmen. Und wenn die Angst schon so sehr nach Repressionen da ist, dann muss erst recht was passieren!“

Hohe Anforderungen wie dem Ideal des freien Zugangs zur Bildung, ohne soziale Aussiebung, stehen auf der Seite der Studierenden. Der Ökonomisierungsfaktor wird mit seinem Konkurrenzideal wahrlich schwer damit in Einklang zu bringen sein.

Bildung braucht Zeit – Bildung ist Muße!

Courage und Professionalität werden entscheidenden Einfluss haben auf die Ergebnisse dieser Protesttage, Forderungen die Lebenswelten in die Seminare zu rufen, wissenschaftliche Aktualität der Dozenten zu verlangen und die Option der Optimierung des Leistungsdrucks auf einen Masterstudienplatz stehen an.

Die internationale Solidarität und die Gewissheit durch das Gewicht dieser Tage, von den Protesten in Kalifornien über Illinois, verstrickt in ganz Europa bis hin zur neuerdings besetzten Jagannah University in Bangladesh geben auch Sicherheit, sich den freien Raum zu nehmen.